Adam Smith muss revidiert werden

Adam Smith muss revidiert werden

Adam Smith behauptete damals, dass alles gut würde, wenn nur jeder seinen eigenen Interessen folgt. John Nash zeigte, dass er falsch liegt. Aber wie?

Ganz gleich ob Unternehmen oder Privat, Adam Smith sagt: Im Wettbewerb kommt der individuelle Ehrgeiz dem Gemeinwohl zu Gute. Eingeschränkt zwar durch Regulierungen hier und dort, jedoch im Wesentlichen ist das die Aussage der sogennanten „unsichtbaren Hand“. Im Hollywood-Streifen „A Beautiful Mind” findet Mathematiker John Forbes Nash Jr. (Russel Crowe) einen Gegenbeweis zu Smiths Annahme. In einer Bar provozieren fünf Damen den entscheidenen Gedanken: „Adam Smith muss revidiert werden”.

John Nash bekam auch in der Realität den Nobelpreis. Doch kann das auch ein Nichtmathematiker verstehen? Absolut.

Das Nash-Gleichgewicht einfach erklärt

Nashs Gleichgewicht und seine Aussage ist relativ einfach zu verstehen, wenn gleich auch leicht verwirrend.

Adam Smith sagt: Eine Gruppe ist dann am erfolgreichsten, wenn jeder in der Gruppe das tut, was für ihn selbst am besten ist. Das ließe sich einfach widerlegen, wenn man nur ein einziges Beispiel fände, in dem diese Regel nicht stimmt. Und in der heutigen Geschäftswelt finden wir sofort ein Beispiel: „Kontent ist King”, so schreit es seit Jahren von den Dächern. Marketer verpacken ihre Werbung in „lesenswerte” Blogartikel — so sagen sie jedenfalls. Natürlich ist jedem klar, wenn viele Firmen diese Art von Schleichwerbung betreiben, überschwemmen sie damit sämtliche Dienste. Diskussionsforen sind schon heute oft nicht mehr nutzbar, über soziale Netzwerk und die Googleergebnisse bis hin zur privaten E-Mail, der SMS und den Messengern. Diesen Zustand will niemand haben und doch ist klar was passiert…

Ein Marketer hat zwei Handlungsmöglichkeiten: Verzichten und Kontent produzieren.

In einer Konkurrenzsituation mit einem anderen, könnte er verzichten, also keinen Nutzen haben. Was könnte dann sein Konkurrent tun? Möglichkeit eins: Dieser verzichtet ebenfalls, dann hätte niemand einen Nutzen. Möglichkeit zwei: Der Konkurrent verzichtet nicht und hätte dann einen Vorteil. Zusammengefasst: Im schlechtesten Fall hätte der Konkurrent einen Vorteil.

Entscheidet der Marketer sich für das Produzieren, so können wieder beide Fälle eintreten… Möglichkeit eins: Der Konkurrent verzichtet, diesmal hätte nun er – der Marketer – den Vorteil vor seinem Konkurrenten. Möglichkeit zwei: Beide produzieren. Dann steht es unentschieden im schlimmsten Falle.

Für beide „Spieler“ ist also in jeder einzelnen Konkurrenzsituation die profitabelste Handlungsweise, das Kontentmarketing zu nutzen.

Fazit

Und was sagt uns dieses Beispiel jetzt? Hätte Adam Smith recht, müsste sich für die Gruppe der Kontentmarketer nun alles zum Guten wenden. Das tut es aber nicht, denn da alle sämtliche Dienste mit eher wertlosem Kontent vollpumpen, liest es niemand mehr und kein Kontentmarketer hat noch einen Nutzen aus dem Kontentmarketing. Dazu kommt, dass sie selbst in allen Medien mit Kontentwerbung bombardiert werden. Eine Lose/Lose-Situation tritt ein. Damit ist dies ein Gegenbeispiel und Adam Smiths Annahme kann nicht buchstäblich immer zutreffen. Für eine wissenschaftliche Aussage nicht gut genug.

Tatsächlich stellt sich heraus, dass diese Lose/Lose-Situation sehr häufig im Alltag eintritt. Beim Umfahren von Staus, beim Umwerben von Kunden, bei Schnick-Schnack-Schnuck, bei Rohstoffstreitigkeiten, bei Plutzplänen, bei der Kinderarbeit. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs war ebenfalls so eine Situation. Der Klimawandel. Sie wird verallgemeinernd als „Gefangenendilemma” bezeichnet.

Wer also behauptet, „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht”, der liegt damit nur im wörtlichen Sinne richtig, im übertragenen Sinne aber leider falsch.