Konzeptvorschlag für eine einheitliche, bessere ÖRR Mediathek

Konzeptvorschlag für eine öffentlich rechtliche Mediathek

Bis heute fehlt mir eine vernünftige Individualisierung und eine sinnvolle Darstellung der Mediatheken. Es könnte nämlich wirklich großartig sein. Das ZDF hat schon wieder ein Redesign. Es sieht noch immer aus, wie ein Magazin. Die Funktionen werden versteckt. Ich glaube, dass zu viele Köche den Brei verderben, vor allem weil hier Bäcker versuchen Steaks zu braten.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wo das Problem beim öffentlichen Träger liegt. Erstens wird die Mediathek als Marketinginstrument angesehen und nicht als eigenständiges Produkt. Zweitens werden die falschen Agenturen beauftragt. Drittens würde den richtigen Agenturen nicht vertraut.

Ich kann es nur wiederholen: Es gibt einen Unterschied zwischen Webseite und Webapp. Das eine präsentiert Inhalte statisch, wie eine Broschüre. Natürlich fließt etwas Programmierung für Suchfunktion, Darstellung und Editierbarkeit in eine Webseite, für den Nutzer bleibt es allerdings eine digitale, sich selbständernde Broschüre. Eine Webapp hat zusätzliche Funktionen. Im besten Falle innovative. Facebook ist ein triviales Beispiel. Google auch. Dropbox ein viel besseres Beispiel. Facebook bietet Funktionen zur Kommunikation. Google bietet Funktionionen zum Durchsuchen des Internets, klar. Dropbox bietet die Funktion, Dateien auf einem entfernten Dateisystem zum organisieren.

Kommunikations- und Marketingabteilungen denken aber nicht in App und Funktionen für den Nutzer, sondern in Informationsübermittlung, Präsentation und Reichweite.

Deshalb beauftragen diese Abteilungen immer Agenturen, mit denen sie auch für ihre Websites zusammenarbeiten. Genau diesen Fehler machen ARD und ZDF immer wieder. Sie beauftragen Agenturen, die Webseiten bauen. Bei der aktuellen ZDF Mediathek sieht man das ganz deutlich: Die Funktion verschwindet fast vollständig hinter der Präsentation. Klar, es gibt eine Merkliste, versteckt hinter eine Sternchen. Die Funktion in den Vordergrund zu stellen, hieße ihr prominenten Platz einzuräumen. Also klassisch, wie bei Facebook oder herkömmlichen Desktopanwendungen wie Photoshop eine Menüleiste anzubieten, über die man Einstellungen machen kann und Werkzeuge anwenden kann, z.B. die Merkliste öffnen, die Filmqualität ändern, Likes anschauen oder eine Chronik öffnen.

Und da sind wir auch schon bei den Funktionen. Ganz grundsätzliche Funktionen sollte die Mediathek bieten. Warum nicht einfach mal den alten DVD-Player oder gar VHS-Recorder anschauen und gucken, was die können oder können sollten. Diese Geräte bestehen nämlich rein aus Funktion.

Natürlich soll das öffentlich Rechtliche moderne Designs umsetzen. Das darf aber nicht zu Lasten der Funktion gehen. Das heißt auch nicht, dass man nun jede unsinnige Funktion einbauen muss. Aber dieser schmale Grat ist halt Design. Dieter Rams (Designer) sagte »Gutes Design sollte das Produkt sozusagen zum Sprechen bringen«.

Also welche Funktionen sollen es denn nun sein? Welche Usecases hat eine Mediathek?

Eine Mediathek

Zwei Mediatheken? Ich glaube 3sat hat auch nochmal eine eigene. Und arte hat arte+7. Warum gibt es eigentlich wieder verschiedene Mediatheken? Zahlen wir Rundfunkgebühren an all diese Sender, damit ihr Konkurrenzkampf doch wieder zu Lasten der Bedienerfreundlichkeit geht? Es ist ja gut, dass es mehrere öffentlichrechtliche Sender gibt, ich finde schon zweifelhaft, warum es zwei Sendeanstalten geben muss. Aber was bringt es dem Gebührenzahler, wenn er nun mehrere Mediatheken durchsuchen muss? Einfach nichts. Nur kosten für die Rundfunkanstalt, die der Beitragszahler trägt. Also: Eine App. Und nennt sie einfach Mediathek. Am besten auf mediathek.de. Fertig.

Filter first

Mir ist sehr egal, ob eine Sendung, ein Beitrag oder ein Film bei ARD, ZDFneo oder 3sat gezeigt wurde. Das ist vielleicht nicht komplett uninteressant, das Logo kann schon gezeigt werden, aber ich suche nicht aufgrund dieses Kriteriums. Ich möchte heute nicht mehr in Sendern denken, das war früher, ganz einfach weil »Sender umschalten« die einzige Auswahlmöglichkeit war, die technisch zur Verfügung stand. Das ist vorbei. Heute möchte ich Beiträge nach Tags, Themen und Rubrik geordnet sehen. Eben nach meinen Interessen. Das wird auch schon halb gut angeboten. Halb gut deshalb, weil diese Ordnung nur als Katalog angeboten wird. Warum nicht so: Ich kann Sendungen, Rubriken, Themen und Tags abonnieren und erhalte daraus meinen eigenen Stream.

Der Filter ist deshalb so wichtig, weil der Nutzer dem System damit selbst sagt, was ihn interessiert. Eher Nachrichten oder Filme. Doku zu Kunst oder Technik? Damit kann dann nicht nur in diesem Stream, sondern z.B. die Startseite hervorragend individualisiert werden.

Beitrags-Timeline

Nicht nur weil man das heute halt so macht, sondern weil es sinnvoll ist: Um dem Argument der Filterbubble entgegenzutreten: Diese Filter soll der Nutzer natürlich auch abschalten können und dann alle neuen Sendungen sehen können, chronologisch geordnet wie z.B. in der Twitter Timeline.

Überdurchschnittliche Beiträge

Es ist völlig irrelevant, ob ein bestimmter Beitrag x mal angeklickt wird. Ganz einfach, weil sehr viel unterschiedliche Geschmäcker mit dem sehr breiten Angebot angesprochen werden. Das ist gut und soll so sein, bringt aber leider einen Nachteil mit sich: Viele können nun eine Folge Rosamunde Pilcher gut finden, interessiert mich aber deshalb trotzdem nicht sehr. Doch wie kann ich den Kuchen bekommen und ihn dann auch essen? Ich möchte einfach wissen, was gerade unter denen trendet, die einen ähnlichen Geschmack wie ich haben. Vom Prinzip her, wie bei Amazon: Leute die dieses kauften, kauften auch jenes. Leute die in etwa die gleichen Beiträge wie ich schauten, schauten besonders häufig auch diese Beiträge. Und bitte nicht einfach nach Häufigkeit ordnen. Die Mediathek sollte eine interne Statistik führen, welche Art von Beitrag durchschnittlich wie oft angeschaut wird. Ein Beitrag, dessen Views signifikant über diesem Durchschnitt liegen, sind eben überdurchschnittlich interessant und deshalb kann man sie als »trending« bezeichnen, wenn es sein muss.

Schlussgedanke

Das Fernsehen wird nicht verschwinden. Im Gegenteil. Sender werden vielleicht verschwinden. Vielleicht werden in Zukunft einfach nur Sendungen ausgestrahlt. Dafür sicherlich in Summe mehr. Über die App, die Mediathek oder mein EPG (Elektronischer Programmguide) sehe ich, welche Sendung gerade läuft – was heute bereits so ist, nur sind sie noch immer Sendern zugeordnet. Warum eigentlich? Die Loyalität zu Sendern wird schwinden, weil sie eigentlich obsolet sind. Zu Produzenten wird sie hingegen wachsen, was oft sogar vereinbar ist. Für viele Menschen ist es noch immer ein Unterschied, ob sie Sendungen für sich, on demand anschauen oder in dem Wissen, dass viele andere genau das Selbe im selben Moment sehen. Diese Zielgruppe ist groß genug. Und Rundfunkbeiträge für öffentlich-rechtliche on-demand-Inhalte werden die Leute auch weiterhin bezahlen.

Ich hoffe mein Konzeptvorschlag dringt irgendwie in die Rundfunkanstalten. Ansonsten würde mich interessieren, wie Ihre die Meinung zu diesem Thema ist. Finden Sie meinen Vorschlag gut, oder sind sie anderer Meinung.