Konsumgesellschaft wird automatisch zu Wohlfahrtsstaat

Ökonomie: Die unsichtbare Hand oder „Gier ist gut“!

Gier ist gut? Die Maxime stammt von Gordon Gekko, der Finanzheuschrecke aus Oliver Stones Klassiker „Wall Street“. Das ökonomische Paradigma, wie es an Business Schools und Universitäten gelehrt wird, rechtfertigt leicht Gordon Gekkos Maxime.

Greed is good

Dass es einen Mechanismus gäbe, durch den die Verfolgung von Eigeninteressen ganz automatisch in soziale Gerechtigkeit transformiert werde, lernen Ökonomiestudenten in den ersten Semestern. Und so magisch und unwahrscheinlich dieser Mechanismus klingen mag, Adam Smith bezeichnete ihn als „die unsichtbare Hand“ (1776 in Der Wohlstand der Nationen).

Die unsichtbare Hand

Und es kann tatsächlich berechnet werden. Interessen sind dabei der Grundstein aller Überlegungen. Menschen handeln Interessengetrieben. Die Idee ist: Was wenn alle Interessen aller Menschen erfüllbar wären? Konsuminteressen, sowie familiäre oder freundschaftliche Interessen. Das wäre vollendete soziale Gerechtigkeit. Und tatsächlich lässt sich herleiten, dass ein freier Markt unter bestimmten Voraussetzungen dazu führt, dass gerade so viel Angebot wie Nachfrage existiert. Jedes Interesse würde gedeckt. Ein Gleichgewicht entsteht. Offenbar überfliegen die Lehrenden die Kapitel, in denen es um diese bestimmten Voraussetzungen geht.

Bestimmte Voraussetzungen

Die Bedingungen, unter denen sich berehnen lässt, dass ein freier Markt zu einem Gleichgewicht führt lauten wie folgt: Erstens muss jeder Marktteilnehmer ein Preisnehmer sein. Ein Preisnehmer ist jemand, der Ware kauft, dessen Preis nicht von ihm vorgegeben wird. Zweitens muss es für jede Ware einen Markt geben. Drittens muss es perfekte Information geben. Offensichtlich sind mindestens Bedingung zwei und drei in der Realität nicht gegeben.

Unvollständige Information

Das Gabler Wirtschaftlexikon beschreibt vollständige Information als „vollständige Über- und Voraussicht eines Wirtschaftssubjekts über alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Tatbestände und Ereignisse, die sein Handeln beeinflussen. Vollkommene Information ist eine Fiktion“. Offensichtlich. Man könnte nicht einmal sagen, diese Bedingung sei annähernd erfüllt. Dennoch findet es in vielen ökonomischen Theorien Anwendeung als Axiom (Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon). Als Axiom! Ein Axiom ist eine Grundannahme, die man theoretisch nicht herleiten kann, die aber natürlich empirisch evident ist, da beobachtbar. Alles andere ist Religion. Und ist vollständige Information anzunehmen oder gar zu beobachten? Selbstverständlich nicht.

Fazit

Natürlich ist dieser Mechanismus – wie ihn Ökonomiestudenten lernen – nur ein Modell. Doch Erklärungen oder Theorien werden nicht deshalb gut, weil man sie zum Modell erklärt. Modelle dürfen einen gewissen Fehler, also eine Diskrepanz zur Realität haben. Vielleicht aus Anschauungsgründen. Doch soll es Aussagen über die Realität treffen, um etwas zu steuern oder zu erklären, ist die Adäquatheit nicht einfach unwichtig. Möglicherweise liegen darin die Gründe, warum die Marktwirtschaft zwar für viele Menschen gute Ergebnisse erzielt, aber eben nicht optimale Ergebnisse für alle.

Praktische Anwendung

Diese Thematik ist moralphilosophischer Natur. Sie dient als Rechtfertigung für eine Konsumgesellschaft. Für den Unternehmer ist wertvoll, dass der Markt grundsätzlich auf Eigeninteressen basiert. Denn daraus lässt sich für die Konzeptentwicklung ableiten, dass sich Entscheidungen eines Entrepreneurs an der Befriedigung von Interessen ausrichten sollen. Wer befriedigt derzeit diese Interessen? Kann man das besser machen? Und in wie weit besser? Kann man den Vorteil kommunizieren? Das ist es, was mit „Marktvorteilen“ gemeint ist. Die Interessen sind die Grundlage eines Konzeptes.

Was hältst Du von diesen „Axiomen“, wie sie sie nennen? Was könnten solche Marktvorteile konkret sein? Darüber schreibe ich in einem weiteren Artikel. Abonniere meinen Newsletter, damit Du ihn nicht verpasst.