Blogkritik: Podcast Solopreneur’s Moshpit

Podcast für Gründer und Solopreneure

Nerd, Rockstar oder Solopreneur? Gordon Schönwalder erzählt von seinen Erfahrungen mit Solopreneurship. Die Produktion ist professionell, musikalische Untermalung gefällt mir. Die Moshpit-Allegorie ist stimmig.

Gordon Schönwälder ist ein Prototyp für eine nächste Generation. Günter Faltin beschreibt sie auch als „Generation Unternehmer“. Diese Generation wird verstanden haben, dass sie angestrebte Sicherheit eben nicht dadurch erreicht, dass sie ihre Arbeitskraft und ihre Talente an einen einzigen Kunden verkaufen. So wie wir es heute noch in Angestelltenverhältnissen tun und glauben, das wäre das höchste Maß an Sicherheit. Diese Generation wird Ihre Arbeitskraft an mehrere verkaufen. Sie machen das gleiche, was immer eine sinnvolle Strategie ist, wenn man Risiko verringern will: Man verteilt. Bei Geldanlagen und Investments heißt das „Diversifikation“. Sie flirten besser, wenn Sie mehrere Eisen im Feuer haben. Einfach weil es Ihnen in dem Fall egal ist, ob Sie einen Korb bekommen oder nicht. Nur ein Prototyp ist er allerdings deshalb, weil er sich noch mit den Grundlagen des Entrepreneurships auseinandersetzen muss. Er muss noch für Aufmerksamkeit kämpfen. Er muss noch Marketing lernen. Das werden immer umfassendere Portale in Zukunft übernehmen. So wie sie es für Freelancer, Handwerker, Appentwickler, Lieferdienste etc. teilweise bereits tun. Und es wird ihnen dabei nicht um die „Villa auf Mallorca, und ’ne Yacht und Frauen und Männer und Geld im Überfluss“ (Episode 002) gehen, sondern um eine unabhängige und eigenverantwortliche Existenz, die sicherer ist, als das Angestelltentum heute.

Kampf um Aufmerksamkeit

Wie viele andere kämpft Herr Schönwälder mit den Werkzeugen des sogenannten Inbound Marketings. Es ginge ihm dabei um „Sichtbarkeit“. Das ist so eine euphemistische Worthülse wie „Stattfinden“. Dieser Kampf um Aufmerksamkeit ist das eigentliche Geschäftsmodell, so hat man den Eindruck. Um dann die gleichen Weisheiten nochmal zu verkaufen, sie dann aber Coachings zu nennen. Er möchte Werbung für sich machen und bekannt werden. Und er hat ja recht, wenn er sein Werbetreiben vorsichtig umschreibt. Offensichtlich Werbung machen ist in unserer Gesellschaft per se böse. Außer Sie sind bereits bekannt. Paradox. Doch es gibt keine Alternative. Werbung machen ist nicht grundsätzlich unmoralisch. Angenommen der einzige Dönermann in der Stadt wirbt damit den besten Döner der Stadt zu machen, dann ist das halt die Wahrheit. Kommt jetzt ein zweiter, der (tatsächlich) einen viel besseren Döner macht, was macht der jetzt? Dönermann 1 wird nicht von seiner Behauptung abrücken. Dönermann 2 muss also einen Weg finden, die Leute zu überzeugen. Das ist Werbung. Nichts ist daran auszusetzen. Das Thema Werbung ist der heimliche Hauptdarsteller in diesem Podcast. Das Inbound Marketing, wie Herr Schönwälder es betreibt, steht für einen weniger störenden Typ von Werbung. Und das stimmt. Dafür ist es verlogener. Der Vorwerk-Typ, der vor Ihrer Tür steht und einen Staubsauger verkaufen will, nervt, sagt aber, dass er etwas verkaufen will. Der Inbound oder Content Marketer stellt sich in die Innenstadt und quatscht Sie nicht voll. Nein, er trägt ein Schild „Gratis Kaffee“ und wenn Sie einen haben wollen, will er vorher Ihre E-Mail-Adresse und Ihre Erlaubnis, sie Zuhause vollzuquatschen. Ist das besser? Wenn wenn der Kaffee richtig gut ist, vielleicht. Dieses System ist ja nicht neu. Aus dem gleichen Grund besuchten Hollywood-Stars „Wetten dass“ schon in der 70ern. Sie wollten Teil des „sichtbarsten“ Formats im deutschen Fernsehen sein. Deswegen kommt auch ein gescheiterter Musiker zu Lanz, und erzählt seine herzzerreißende Krebsgeschichte. Nicht weil er so nett ist und andere Teilhaben lassen möchte. Sondern weil er mit seiner Geschichte eine Beziehung zu seiner Zielgruppe aufbauen will. Er will für sie „sichtbarer“ werden. Online wird seit einigen Jahren Kontent erstellt was das Zeug hält. Kostenlose E-Books, Blogs, Youtubekanäle, Podcasts, Whitepapers und Berichte. Man muss nur mal auf die Facebook-Werbung achten. „Sichern Sie sich jetzt Ihr kostenloses E-Book“. Ich bekam diesen Prozess das erste Mal ca. 2006, in Robert Basics Blog „Basic Thinking“ mit. Redlich ist das nur, wenn diese Inhalt wirklich gut sein sollen. Diese Absicht kann leider jeder behaupten. Historisch gesehen haben erfolgreiche Autoren wohl immer auch von der Popularität, der Autorität und der Beziehung zu ihren Lesern profitiert. Das haben sie sich verdient, da sie Werke von Wert schufen. Das ist auch der Unterschied, den Precht meint, wenn er sich darüber verwahrt, seine Bücher als Content zu verunglimpfen. Content sei „ein zynisches Wort für jeden Kulturschaffenden und zivilisatorisch ein gewaltiger Rückschritt!“, so Precht. Recht hat er. Inboundmarketer beschreiben diesen Kulturwert lapidar als „Mehrwert“. Dieser schmale Grat kommt aus den grundlegenden moralischen Problemen. Erstellen Sie Inhalte pflichtgemäß oder aus Pflicht? Das ist Kant. Was jedenfalls tatsächlich passiert ist, dass dieses Gebaren zu einer Überschwämmung des Netzes durch tausendfach aufgebrühte Blogartikel führte. In einer Episode schwärmt Herr Schönwälder von einem Kollegen, der bis 2019 alle Blogartikel fertig vorbereitet hat. Werden das wahrscheinlich hochwertige Artikel sein? Wir werden über alles informiert und wir wissen nichts. Der Grund dafür ist dieses Verhalten.

Mein Plädoyer? Wir brauchen bessere Algorithmen, die Modewörter und Modephrasen erkennen. Es gibt bereits solche Projekte, sogar bei Google. Automatisierte Faktenprüfer. Oder auch: „Kenne ich die Information bereits, die der vorliegende Artikel enthält?“. So ein Tool muss transparenter sein und die Glaubwürdigkeit mehr in den Vordergrund stellen, als Google es heute tut. Idealer Weise muss der Algorithmus n Artikel betrachten und in Segmente teilen, die jeweils die gleiche Information enthalten. Aus diesem Segment muss mir derjenige Artikel ausgegeben werden, der die Information in einer von mir bevorzugten Art präsentiert. Also didaktisch und stilistisch.

Indirekter Angriff auf das Netz

Googles Algorithmen basieren noch immer hauptsächlich auf dem Prinzip: Jemand der gemeinhin gute Dinge sagt, kennt jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt. Und was der sagt ist wahrscheinlich auch nicht so schlecht. Verlinkung und Autorität sind für Google noch immer ein zentrales Qualitätskriterium. Früher, bei weniger doppelten Inhalten, hat das gut funktioniert. Doch die Marketingmenschen schleichen sich ein in Wikis, Kataloge und selbst Universitäten. Studenten und Doktoranden verkaufen Links an Marketer, weil Links von Universitätswebseiten viel Authority von Google bekommen. Das hätte ich früher in dem Maße nicht für möglich gehalten. Google wahrscheinlich auch nicht. Doch es verfälscht die Ergebnisse dermaßen, dass wir zu ernsten und wichtigen Themen auf der ersten Seite der Suchergebnislisten nur noch irgendwelche Kontentmarketingarktikel finden, die mit Worthülsen und SEO-Texten uns in Wahrheit ihre Produkte verkaufen wollen.

Pocket, eine App zum Lesen von Onlineartikel ist kein Redaktionsplan-Utility (Episode vom 27. Juli 2016). Von anderen Blogger Stile kopieren ist etwas anderes als Kreativität. Ein Hohn, diese Art von „Neugierde“ mit der zu vergleichen, die Albert Einstein als Forscher meint, wenn er den physikalischen Grundbausteinen unseres Universums auf den Grund geht und wissenschaftliche Pionierarbeit leistet. Ein Hohn. Was hat Pocket mehr mit Solopreneurship zu tun, als eine Lesezeichenleiste, ein RSS-Reader oder der Stern?

Lösungsmittel

Herr Schönwälder kommt aus der Krankenpflege. Ein ehrenwerte Arbeit. Nebenher gründete er eine Unternehmensberatung namens „Lösungsmittel“. Der Name ist gut, meine ich auch. Ich frage mich allerdings schon, wie Herr Schönwälder darauf kam, sich vor diesem Hintergrund für einen Experten und Mentor für Unternehmensgründer zu halten? Sicherlich kann man heute das eine oder andere von ihm lernen. Heute sieht das vielleicht anders aus und ich nehme ihm ab, dass er von seinem Geschäft leben kann. Ich fände es besser, wenn sich weniger ein Mentorenton durch seine Episoden ziehen würde. Wir probieren doch alle nur Dinge aus und freuen uns, wenn etwas funktioniert.

Fazit

„Was mich im Strahl kotzen lässt“ (Episode 100). Nein, so schlimm ist es nicht. Es lohnt sich für angehende Gründer den Podcast zu abonnieren. Auch wenn man die Essenz der über 100 Folgen auch auf schätzungsweise 14 Folgen konzentrieren könnte.

 

Ökonomie: Die unsichtbare Hand oder „Gier ist gut“!

Konsumgesellschaft wird automatisch zu Wohlfahrtsstaat

Gier ist gut? Die Maxime stammt von Gordon Gekko, der Finanzheuschrecke aus Oliver Stones Klassiker „Wall Street“. Das ökonomische Paradigma, wie es an Business Schools und Universitäten gelehrt wird, rechtfertigt leicht Gordon Gekkos Maxime.

Greed is good

Dass es einen Mechanismus gäbe, durch den die Verfolgung von Eigeninteressen ganz automatisch in soziale Gerechtigkeit transformiert werde, lernen Ökonomiestudenten in den ersten Semestern. Und so magisch und unwahrscheinlich dieser Mechanismus klingen mag, Adam Smith bezeichnete ihn als „die unsichtbare Hand“ (1776 in Der Wohlstand der Nationen).

Die unsichtbare Hand

Und es kann tatsächlich berechnet werden. Interessen sind dabei der Grundstein aller Überlegungen. Menschen handeln Interessengetrieben. Die Idee ist: Was wenn alle Interessen aller Menschen erfüllbar wären? Konsuminteressen, sowie familiäre oder freundschaftliche Interessen. Das wäre vollendete soziale Gerechtigkeit. Und tatsächlich lässt sich herleiten, dass ein freier Markt unter bestimmten Voraussetzungen dazu führt, dass gerade so viel Angebot wie Nachfrage existiert. Jedes Interesse würde gedeckt. Ein Gleichgewicht entsteht. Offenbar überfliegen die Lehrenden die Kapitel, in denen es um diese bestimmten Voraussetzungen geht.

Bestimmte Voraussetzungen

Die Bedingungen, unter denen sich berehnen lässt, dass ein freier Markt zu einem Gleichgewicht führt lauten wie folgt: Erstens muss jeder Marktteilnehmer ein Preisnehmer sein. Ein Preisnehmer ist jemand, der Ware kauft, dessen Preis nicht von ihm vorgegeben wird. Zweitens muss es für jede Ware einen Markt geben. Drittens muss es perfekte Information geben. Offensichtlich sind mindestens Bedingung zwei und drei in der Realität nicht gegeben.

Unvollständige Information

Das Gabler Wirtschaftlexikon beschreibt vollständige Information als „vollständige Über- und Voraussicht eines Wirtschaftssubjekts über alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Tatbestände und Ereignisse, die sein Handeln beeinflussen. Vollkommene Information ist eine Fiktion“. Offensichtlich. Man könnte nicht einmal sagen, diese Bedingung sei annähernd erfüllt. Dennoch findet es in vielen ökonomischen Theorien Anwendeung als Axiom (Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon). Als Axiom! Ein Axiom ist eine Grundannahme, die man theoretisch nicht herleiten kann, die aber natürlich empirisch evident ist, da beobachtbar. Alles andere ist Religion. Und ist vollständige Information anzunehmen oder gar zu beobachten? Selbstverständlich nicht.

Fazit

Natürlich ist dieser Mechanismus – wie ihn Ökonomiestudenten lernen – nur ein Modell. Doch Erklärungen oder Theorien werden nicht deshalb gut, weil man sie zum Modell erklärt. Modelle dürfen einen gewissen Fehler, also eine Diskrepanz zur Realität haben. Vielleicht aus Anschauungsgründen. Doch soll es Aussagen über die Realität treffen, um etwas zu steuern oder zu erklären, ist die Adäquatheit nicht einfach unwichtig. Möglicherweise liegen darin die Gründe, warum die Marktwirtschaft zwar für viele Menschen gute Ergebnisse erzielt, aber eben nicht optimale Ergebnisse für alle.

Praktische Anwendung

Diese Thematik ist moralphilosophischer Natur. Sie dient als Rechtfertigung für eine Konsumgesellschaft. Für den Unternehmer ist wertvoll, dass der Markt grundsätzlich auf Eigeninteressen basiert. Denn daraus lässt sich für die Konzeptentwicklung ableiten, dass sich Entscheidungen eines Entrepreneurs an der Befriedigung von Interessen ausrichten sollen. Wer befriedigt derzeit diese Interessen? Kann man das besser machen? Und in wie weit besser? Kann man den Vorteil kommunizieren? Das ist es, was mit „Marktvorteilen“ gemeint ist. Die Interessen sind die Grundlage eines Konzeptes.

Was hältst Du von diesen „Axiomen“, wie sie sie nennen? Was könnten solche Marktvorteile konkret sein? Darüber schreibe ich in einem weiteren Artikel. Abonniere meinen Newsletter, damit Du ihn nicht verpasst.

 

WhatsApp: Wie es verschlüsselt, einfach erklärt

Verschlüsselung ist vollkommen unverständlich für viele. Ein Mysterium. Dabei ist das System relativ simpel: Wir überlegen uns ein System, um einen Text so zu verändern, damit er unlesbar wird. Nur wer das System kennt, kann den unlesbaren Text lesbar machen.

Wir schauen uns kurz an, wie Verschlüsselung praktisch funktioniert. Dann erkläre, wie WhatsApp sie nutzt.

Das System ist  der Schlüssel. Ganz einfach: Wir verschieben jeden Buchstaben im Alphabet. Aus A wird B, aus B wird C, aus C wird D usw. Mein Name „Kevin“ würde also zu Lfwjo. Wer diesen Zeichenhaufen erhält, weiß nicht was es bedeutet. Nur wer das System kennt, kann das Alphabet wieder zurückdrehen und erhält den Klarnamen „Kevin“.

Das ist natürlich eine sehr einfache Verschlüsselung. Jemand der zumindest weiß, dass es sich bei Lfwjo um eine verschlüsselte Botschaft handelt und sich mit dem Thema Verschlüsselung beschäftigt, wird recht schnell das Rätsel lösen.

Das ganze kann man nun komplizierter machen. Und das kann man sehr kompliziert machen. Das muss uns aber nicht stören. Wichtig ist, dass man einen Text „Kevin“ in einen Text 5feZrÜ*d- verwandeln kann und umgekehrt.

Kompliziertere Systeme

Ein Beispiel für kompliziertere Systeme: Man kann das Aplhabet um drei Zeichen verschieben. Man kann auch wechselnd verschieben. Den ersten Buchstaben verschiebt man um drei Zeichen, den Zweiten um einen, den dritten um vier und beim vierten verschiebt man wieder um drei usw. Das ist schon komplizierter aber für Kryptographen (und das sind Hacker) nicht wirklich viel schwerer zu knacken. Richtig kompliziert wird es, wenn wir uns die Zahlen anschauen, aus die ein digitaler Text besteht und diese dann mit mathematischen Operationen so verrechnen, dass ein andere Text ensteht.

Wie gesagt, die Komplexität des Systems muss uns nicht kümmern. Wichtig ist nur, dass es solche System gibt und wir sie recht einfach nutzen können.

Den Schlüssel sicher übermitteln

Nun gibt es aber ein Problem: Wie teilen wir dem Empfänger unserer Botschaft den Schlüssel mit? Wie sagen wir ihm also: Du musst nur jeden Buchstaben des Texte im Alphabet um ein Zeichen zurück verschieben. Wir können diese Anweisung ja nicht mitverschlüsseln, denn der Empfänger bräuchte sie ja im Klartext um sie zu entschlüsseln. Wir können die Botschaft auch nicht im Klartext an die Botschaft hängen, sonst hätte bereits jeder den Schlüssel.

Wir müssen den Schlüssel – bei den klassischen Verfahren – also auf einem Wege zum Empfänger bringen. Auf einem sicheren Wege. Z.B. persönlich in einem dunklen Kämmerlein.

Es gibt auch sogenannte asymmetrische Systeme der Verschlüsselung. Das geht hier jetzt aber zu weit. Obwohl es genau das ist, was Whatsapp einsetzt. Doch lassen wir es hier mal bei der klassischen Methode.

Die bestmögliche Verschlüsselung

Um Whatsapp so sicher einzusetzen, wie es in der digitalen Übertragung nur möglich ist, müssten wir sehr umständlich handeln. Erstens: Wir benötigen ein starkes Verschlüsselungssystem: z.B. AES. Solche Systeme sind wirklich sehr sicher. Auch die NSA kann, vorausgesetzt ein strakes Password wurder gewählt, das nicht entschlüsseln. Höchstens mit Glück. Aber es zu knacken ohne das Passwort zu finden ist derzeit unmöglich. Zweitens: Wir benötigen ein langes, starkes Passwort. Nicht erschrecken, aber soetwas „SD9uC#_%Pdf*pNYYFu]U,E#y~!Hp{V~u“. Das ist noch viel zu kurz. 200 Zeichen ist vielleicht angemessen. Natürlich kann sich das niemand merken. Das müssen wir uns also aufschreiben.

In der Praxis

Wir schreiben einen Text. Nehmen das Verschlüsselungstool und verschlüsseln den Text mit dem Tool und unserem Passwort. Erhalten soetwas:

##### AES-Verschlüsselung (CBC). Zu entschlüsseln auf http://www.cryptool-online.org
 ZZZZZ XOGON OQQFI TFETK RXAPS UDPDD GCHGC LCLDI EFLTD STXPB CDQGH
 PRKKJ FUHGC MECBA MGGJN HAIQQ VULML FSAKW ECDFM GWUUW CMKNH DPPGV
 JWEGE TLHVQ TNNMV CDBLJ HLVKR RBFIW FUSCW TSGHU JCNNL KJNFU MOSSH
 XUBTQ AOCNW XPOFI IIBPA AUXNA ICUSR CFLMC TOBOL XUMAO TVNJB SLWJA
 AHFOQ FPOQZ YYYYY
 ##### Ende der verschlüsselten Nachricht

Schreiben diesen Wust in Whatsapp ab und schicken dies unserem Empfänger. Das Passwort haben wir Ihm auf der letzten Familienfeier mitgeteilt. Er wiederum schreibt den Wust ebenfalls ab und enschlüsselt ihn mithilfe des Tools und des Passworts.

Jetzt kann das Tool kompromittiert sein oder auf der Familienfeier hat jemand glauscht. Doch das sind Dinge, die nicht mehr berücksichtigt werden können. Du kannst das Beispiel ausprobieren. Mit dem verschlüsselten Text oben und dem Passwort auf cryptool-online.de.

(Natürlich solltest Du dieses Onlinetool nicht wirklich einsetzen. Du weißt nicht, was es mit deinem Text macht.)

So jedenfalls wäre die beste Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die einen Chat absichern kann. Natürlich völlig unbenutzbar.

Whatsapp muss nun mit dem Problem leben, dass die komplizierten Schlüssel in der App erzeugt werden. Also eher die Nutzer müssen damit leben. Denn natürlich haben Hacker, die die App hacken, auch die Schlüssel des Nutzers und können Nachrichten entschlüsseln. Außerdem hat Whatsapp selbst, naturgemäß prinzipiell Zugriff auf die Schlüssel.

Letztlich bleibt aber: Solange WhatsApp diese Schlüssel nicht völlig offensichtlich auf dem Gerät speichert, immer schön über sichere Verbindungen (sogenannte Tunnel) überträgt, kann eigentlich nur in absoluten Ausnahmen etwas passieren. Und die würden auch bei anderen Apps passieren. Da genau können nun Hintertüren eingebaut werden, die WhatsApp ermöglichen, Nachrichten mitzulesen.

Was denkst Du, möchtest Du mehr über Verschlüsselung erfahren? Sollte alles verschlüsselt werden? TV, Post, E-Mail? Abonniere doch meinen Newsletter, ich werde auch in Zukunft über diese Thema schreiben.

Teil 1: Webseiten für’s Unternehmen in 2017

Webseite für Unternehmen erstellen

Wer einen Relaunch anpeilt oder eine neue Webpräsenz plant, der sollte ein paar Basics wissen. Wie bei Bankgeschäften oder beim Gebrauchtwagenkauf gibt es gewisse common-sense-Grundlagen. Bei Zieldefinitionen oder auch bei Preisverhandlungen speilen sie Dir in die Karten. Ich bin Webentwickler, mit Software aufgewachsen und möchte einen Überblick über die Wahrheiten geben, die auch 2017 noch gültig sind.

In der Reihe wird es fünf interessante Teile geben. Abonniere den Five twenty Newsletter um nichts zu verpassen.

  1. Verschiedene Typen, verschiedener Aufwand
  2. Webseiten mit Baukasten oder Tool selber machen
  3. Webseiten von der Agentur programmieren lassen
  4. Webdesigner nicht gleich Webentwickler
  5. Kosten einer Webseite in 2017
  6. CMS: WordPress und Co als Grundlage
  7. Fast alles geht — aber nicht alles
Teil 1: Verschiedene Typen, verschiedener Aufwand

Es gibt zwei Typen von Internetangeboten. Auf den ersten Blick scheint es ein rein technischer Unterschied zu sein. Er ist für den Auftraggeber wichtig, weil der Entwicklungsaufwand erheblich anders ist. Und Aufwand muss bezahlt werden. Dieser unterscheidet sich circa um den Faktor vier, wenn eine reine Webseite oder eine Webapplikation entwickelt werden soll.

Eine reine Webseite ist das, wozu Tim Berners Lee das Web (HTTP) 1990 ursprünglich entwickelte. Sie hat nur statische Inhalte. Wie eine Broschüre, ein Flyer oder eine Visitenkarte. Oft gilt auch heute noch die „Visitenkarte“ als sinnbildliche Beschreibung für eine einfache Webseite mit den wichtigsten Informationen.

Entwicklungsgeschichte

Die Webapplikation ist intelligent und ist eine vollwertige Software. Eine Entwicklungsgeschichte in drei Zeilen um zu verstehen, was den Aufwandsunterschied ausmacht: E-Mail-Anwendungen, Chats oder Foren gab es früher nicht im Web(browser). Das lieferten andere Anwendungen, die neben dem Browser liefen. Fast wie die Apps heute. Mit der Zeit verlagerten sich die Anwendungen in den Browser. Mit einer Erweiterung des Browsers siegten die webbasierten Anwendungen (Webapplikationen oder auch Webapps) über die nativen. Das war 1999 und ca. 2004 war das sogenannte „Ajax“ etabliert.

Interaktivität

Wirkliche Interaktivität existierte bis dahin nicht. Als einzige interaktiv waren TV-Spielsendungen, die ein Anrufer mit der Telefontastatur bedienen konnte (Hugo). Diese Interaktivität erzeugt den Entwicklungsaufwand. Benutzereingaben sind zu überprüfen und gegen Hacker zu schützen. Eingabefenster sind zu Designen und ein Workflow ist zu erarbeiten. Der Entwickler muss die Kommunikation zum Server sicherstellen. Und es muss sehr viel mehr getestet werden.

Standardsoftware

Natürlich sind viele Dinge bereits standardmäßig zu haben. Die Kommentarfunktion eines Blogs ist streng genommen Interaktion. Tatsächlich ist ein Blog eine Webapp. Im Redaktionsbereich (dem Backend) wird das sehr deutlich. Ein Blog oder eine Newsseite ist eine Applikation, die das Verfassen und Lesen von Beiträgen ermöglicht. Das ist Standardsoftware und muss nicht entwickelt werden.

Neuentwicklung

Alles andere ist Entwicklung. Webapplikationen gibt es für alles. Für Textverarbeitung, Grafik, Kalender und Projektmanagement. Und es wird mehr werden. Wer für sein Unternehmen etwas Einzigartiges haben will, muss entwickeln lassen.

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen. Ich würde mich freuen, wenn Du meinen Newsletter abonnierst oder mir bei Twitter @dielok folgst.

Wie Gründer B2B-Kunden finden

FultonMarket-Marktplatz-Gründer

Das ist ganz einfach: Finde Deine Wunschkunden, notiere Dir die Kontaktdaten und schicke ihnen eine E-Mail oder rufe sie an. Am Besten nach Feierabend, da sind sie auf jeden Fall zuhause. Sie werden sich freuen, dass Du endlich anrufst, noch am Telefon den Auftrag erteilen und bei Geschäftspartnern von Deinem offenen Temperament schwärmen. Glaubst Du nicht? Dann lies bitte weiter.

Die Kundenakquise ist für alle gut erzogenen Menschen mit Rückgrat nur schwer auf diese Art durchzuziehen. Wer kein aufdringlicher Klinkenputzer im Versicherungsvertreterstil sein möchte, für den hat das digitale Zeitalter gute Nachrichten: Die Streueffekte werden minimiert indem der potentielle Kunde den ersten Schritt macht.

Ich persönlich bin davon überzeugt, auch wenn ich keine Daten dazu habe, dass darüber hinaus diese Art von Kaltakquise und Klinkenputzerei ein derart schlechtes Image erzeugt, dass den gesamt ROI (Return On Investment) gleich wieder auffrisst. Woran denken wir, wenn wir an Vorwerk, die Zeugen Jehovas oder Telefonumfragen denken? Genau.

Es ist wichtig den geheimen Handschlag zu verstehen. Wir können nicht ganz Facebook mit unserer Werbung zukleistern. Dazu fehlen uns schlicht die Mittel. Wir müssen ganz genau wissen, welche Interessen unser Produkt befriedigt und dass es genügend Leute gibt, die diese Interessen befriedigt haben wollen (Dass dies bei Deinem Geschäft so ist, ist nicht einfach so klar, sondern muss geklärt werden z.B. so). Deshalb müssen wir genau wissen, worauf Interessenten Wert legen. Also die Alleinstellungsmerkmal unseres Produktes müssen wir sehr gut kennen. Deshalb sind sie so wichtig.

Damit gehen wir den ersten Schritt: Wir erschaffen einen Ort, an dem Menschen mit entsprechenden Interessen Informationen erhalten, ebendiese zu befriedigen. Auf ehrliche Art. Angenommen jemand leidet unter Reuma und jemand anders hat ein wirksames Medikament gegen Reuma gefunden. An diesem Ort findet der Erkrankte alle Informationen zu seiner Problemlösung: Nämlich dem Medikament. Dann wird er wahrscheinlich mit uns in Kontakt treten wollen. Und das ist gut so. Nicht weil wir ihm das Blaue vom Himmel erzählen, sondern weil unser Produkt oder unsere Dienstleistung genau das kann, was er benötigt. Einfach um seine Interessen zu erfüllen. Das ist Utilitarismus in Reinform. Dieser Ort wird auch Landingpage genannt. Er ist einfach eine Webseite. Mit WordPress z.B. können solche Landingpages schnell umgesetzt werden.

Der zweite Schritt: Die Kontaktaufnahme ermöglichen wir dem Interessenten so einfach wie möglich. Es reicht aus, wenn der Besucher mit seiner E-Mail-Adresse weitere Broschüren anfordert. Oder er seine Telefonnumer eingeben kann um einen Rückruf zu erhalten. Hier solltest Du experimentieren und Mailchimp hilft meist weiter.

Der dritte Schritt: Pfade zur Landingpage bauen. Das Netz bietet uns viele Möglichkeiten Gespräche zu führen. Früher sind Unternehmer Vereinen beigetreten um ein Publikum für ihr Angebot zu finden. Im Netz gibt es für alles ein Forum, einen Blog, eine Gruppe oder einen Hashtag. Beteilige (und beteiligen heißt nicht Spammen) Dich an Forumsdiskussionen. Je intensiver desto besser.

Ist moralisch okay, das eigene Produkt zu empfehlen? Falls jemand nach einer Lösung sucht und Dein Produkt wirklich eine Lösung bietet, dann doch sicher. Du erklärst sachlich warum es das tut. Dann ist der Link zu Deiner Landingpage eine echte Hilfestellung für den Hilfesuchenden. Ob nach Kant oder Singer: Das ist sogar Pflicht. Es ist absolut legitim Twitter zu verwenden um unter dem passenden Hashtag eine passende Landingpage zu promoten. Auch mehr als einmal unter verschiedenen Gesichtspunkten. Für Blogkommentare und FacebookLinkedin…Xing-Gruppen gilt das gleiche.

Außerdem solltest Du die Sache etwas beschleunigen. Indem Du Deine Landingpage bei Facebook-Ads oder Twitter-Ads bewirbst. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand es bei Facebook liket, bei Twitter retweetet oder in seinem Blog erwähnt. So schafft Du langfristige Pfade zu Deiner Landingpage.

Darauf zu hoffen, dass sich diese ansatzweise Viralität einstellt ist naiv. Deine Landingpage kannst Du Deinen 700 Fans und Followern präsentieren – davon klicken dann vielleicht 5. Es braucht ein größeres Plenum. In den meisten Fällen wird Dein Produkt die Leute leider nicht Schlangestehen lassen. Wahrscheinlich wird der Link nicht 1000-fach geteilt. Wahrscheinlich werden keine Fanclubs eigene Blogs zu deinem Produkt einrichten. Dass Deine Website auf die ersten Seite in den Suchergebnislisten katapultiert wird, ist unwahrscheinlicher als ein Lottogewinn.

Solche Werbemaßnahmen haben meistens einen kleinen positiven Effekt und den muss man schätzen und uns bleibt nichts anderes übrig. Das ist die einzige Waffe, mit der ein Gründer im Kampf mit der Fernsehwerbung und Rundumbeschallung der Großen in irgendeiner Form bestehen kann. Auch falls sie keine Viralität erzeugt, führt ein solche Aktion überdies doch häufig dazu, dass Leute Deinem Account folgen oder ihn liken, was es Dir beim nächsten Mal etwas einfacher macht. Aber wie gesagt, hoffe nicht zu sehr auf einen Paukenschlag. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Auch als Gründer bist oder im Team ein Startup gründest solltest Du die Art Aufgaben an Dienstleister oder virtuelle Assistenten ausgliedern. Auch beim Bootstrappen, als Freelance oder Solopreneur. Und erst recht als Team im Startup. Konzentriere Dich auf Dein Produkt und baue deinen USP weiter aus. Das kannst nur Du allein. Beispielsweise die hier beschriebene Inboudmarketing-Aktion ist ein festgelegter Prozess. Von der Recherchearbeit über die Erstellung bis zur Verbreitung der Landingpage, sollte an einen virtuellen Assistenten übergegeben werden. Du Dich auf das Kerngeschäft konzentrieren kannst.

Als Nächstes werde ich mich mit den Möglichkeiten von Werbung in Abhängigkeit der verfügbaren Budgets beschäftigen. Ich würde mich freuen, wenn Du auch dann wieder dabei wärst und mir bei Twitter (@dielok) oder Facebook folgst.

Konzentration bitte! Es gibt keine Flüchtlingskrise

NATO und Russland beschäftigen sich gegenseitig mindestens in der Ukraine und die sogenannte Flüchtlingskrise ist ein reiner Kindergarten wenn man sich folgende drei Zahlen anschaut: 500 Millionen Europäer leben in der EU. Derzeit sind 500.000 Flüchtlinge in Europa. Das sind 0,1%. Auf eintausend Europäer kommt also ein Flüchtling. Und davon lassen wir uns ablenken, während Bill Gates die Welt im Alleingang rettet. Um das Thema komplett abzuschließen: Selbst wenn ganz Syrien, 20 Millionen Menschen, Asyl in der EU bekämen, würden auf 100 Europäer gerade einmal vier Syrer kommen. Es ist lächerlich. Das kann organisiert werden und jedes Land in Europa muss seinen Teil beitragen. Punkt. Arbeitet es ab, zieht es glatt und lernt daraus: Das primäre Ziel eines reichen Staates muss sein, den eigenen Wohlstand zu sichern und den der anderen Staaten zu mehren.

Die dunkele Seite der Schülerhilfe

Eineinhalb Jahre konnte ich das Geschäftsmodell Schülerhilfe kennenlernen. Ich habe positiv erfahren, dass Nachhilfe wirken kann. Auf der anderen Seite nutzt die Schülerhilfe Studenten und pensionierte Lehrer aus und setzt wie Fitnessklubs auf Abomodelle.

Scheinselbstständigkeit
Putzkräfte in dubiosen Hotels werden als selbständige Mitarbeiter beschäftigt. Vorbei an Tarifverträgen. Bei der Schülerhilfe ist das ebenso. Ein Honorarvertrag wird geschlossen. Letztlich bedeutet das nur, dass der Mitarbeiter als freier Dozent beschäftigt ist. Das kann bei klassischen Dozenten an der Uni auch sinnvoll sein. Hat ein selbständiger nur einen Auftraggeber und ging die Ausgestaltung des Arbeitsverhältnisses von dem Unternehmen aus, so gilt dies als Scheinselbstständigkeit. Verboten ist das in Deutschland, weil ein Selbständiger eben die Risiken trägt, vor denen Angestellte geschützt werden sollen. Die Akademiker in der Schülerhilfe können zu jeder Zeit quasi entlassen werden. Während des Urlaubs fällt ihr Lohn aus und sie müssen den Arbeitgeberanteil der Krankenkasse selbst tragen. Wir erinnern uns, dass vor kurzem Ryan Air seine Piloten in die Selbstständigkeit drängte. Gleiches Prinzip. Gesellschaftlich geächtet.

Abomodell
Abomodelle sind per se nicht anrüchig, doch so wie Fitnessstudios auf die nachlassende Motivation ihrer Kunden vertrauen, setzt die Schülerhilfe auf den schnell schwindenden guten Vorsatz von Schülern und Eltern. Die Luft ist raus, das Abo läuft weiter und damit der Dauerauftrag.

Arbeitszeiten
Skandalös ist die beständige Forderung an den Mitarbeiter, außerhalb der bezahlten Stunden zu arbeiten. Mir liegt eine Handlungsanweisung vor, aus der hervorgeht, dass Noten der Schüler, Klausurtermine, das Lernprotokoll und Weiteres außerhalb des Unterrichts zu führen sind. Vergütet wird nur die reine Unterrichtszeit. Wenn der Mitarbeiter zu jeder Unterrichtseinheit 15 Minuten extra leistet, bleibt von vereinbarten 10€ noch 8,40€ pro Stunde. Das ist knapp weniger als der Mindestlohn und es fehlt viel zum vereinbarten Lohn.

Vertrauen
Im Zweifel für den Kunden? Schüler sollen unbedingt geschützt sein. Doch hat der Schüler deshalb immer recht? In Gruppen bekommt manchmal jemand den Eindruck, benachteiligt zu werden – das ist selbst bei uns Erwachsenen so. Beschweren sich Schüler, ist für die Schülerhilfe der Schuldige in jedem Fall im Lehrer gefunden. Jobverlust droht.

Kindern passiert so etwas aus Selbstschutz und kindlichem Egoismus. Doch die Schülerhilfe stellt sich grundsätzlich auf die Seite ihrer Kunden und der Mitarbeiter steht ständig unter Verdacht.

In einem konkreten Fall beharrte ich bei einer Schülerin darauf, eine Aufgabe durchzurechnen ohne Hilfe meinerseits. Sie weigerte sich, ich bestand darauf, die Zehntklässlerin verließ unter Tränen das Unterrichtszimmer. Anschließend wurde ich massiv vorverurteilt. »Die Schülerin hätte sich nicht beschwert, wenn ich nichts falsch gemacht hätte«, hieß es da. Wie gesagt, die Schülerin trifft wenig Schuld, auch wenn Falschbeschuldigung selbst bei Jugendlichen kein Kavaliersdelikt ist.

Risiko trägt der Mitarbeiter
Ob der geplante Unterricht stattfindet, sich darüber zu informieren, das ist die tägliche Pflicht des Mitarbeiters. Klar ist das kein Weltuntergang, doch eigentlich die Aufgabe des Arbeitgebers. Regelmäßig kommt es vor, dass Unterricht nicht stattfindet, der Morgens noch fest eingeplant war. Der Lehrer bekommt für diesen Tag keinen Lohn, trotz Arbeitsweg und der durchkreuzten Tagesplanung.

In Stunden, in denen alle Schüler unentschuldigt fehlen, bekommt der Lehrer eine viertel Stunde vergütet. Die unentschuldigten Schüler zahlen ihrerseits den gesamten Betrag an die Schülerhilfe.

Direkt darauf angesprochen reagierte die Inhaberin, als gäbe es dazu keine Alternative. Es gehört zu einem seriösen Geschäftsmodell, das Risiko zu tragen und nicht auf die Mitarbeiter abwälzen. Im Falle des unentschuldigt fehlenden Schülers ist klar, dass der Mitarbeiter trotzdem vergütet werden soll. Die Schülerhilfe kann kundenfreundlich den Eltern kurzfristige Absagen gestatten, doch das Risiko um diesen Service anzubieten, soll sie selbst tragen und im Zweifel dem Lehrer die Stunde bezahlen. Doch sie überträgt das Risiko vollständig auf den Mitarbeiter und zieht Profit daraus.

Minimalismus: Eine Anleitung für Nostalgiker

Ich bin ein Nostalgiker. Jede Geburtstagskarte hebe ich ewig auf. Dinge, die mich an frühere Freunde, an die Schulzeit, die Ausbildung oder das Studium erinnern. Oder gar an jene, die nicht mehr bei uns sind. Ich muss diese Andenken behalten, alleine zu wissen, dass sie in irgendeiner Kiste sind, erinnert mich daran, wer ich bin.

„My experiences ride with me“ – Bouncing Souls

Jedes Artefakt ist mit einer Erfahrung verbunden, einem Teil meiner Persönlichkeit. Es erinnert mich daran, wie ich reagierte und welche Erfahrung ich gemacht habe, die mich zu dem machten, der ich heute bin. Deshalb sind sie so wichtig und das ist gesund für mich.

Ich übertreibe es dann, wenn ich zu viele Artefakte für ein und die selbe Situation bewahre. Die Krawatte, das Hemd, das Manuskript der Hochzeitsrede und auch noch die Kuchengabel der Hochzeit des besten Freundes aufzubewahren ist zuviel. Wähle das wichtigste. Ich entscheide mich für das Manuskript. Der Rest kommt weg.

Ich zelebriere die Trennung regelrecht, sollte es auch pathetisch werden. Auch um Platz zu schaffen, würde die Artefakte von Morgen.

Mich würde wahnsinnig interessieren wie du mit diesen Artefakten umgehst! Schmeißt du alles weg oder trägst du dieses Museum mit dir herum? Schreib es in die Comments unten!

Frankreich: Mehr Macht dem europäischen Volke

Hollande erklärte bereits Anfang August seine Ambitionen zur Vertiefung Europas. Emmanuel Macron schlug nun den Neustart Europas vor. Damit konkretisiert der Finanzminister die französische Initiative. Er trifft damit genau den Punkt, der uns Europäer beschäftigt. Er sagte in einem Interview, die Menschen hingen an der Idee Europas. Aber sie, die Politiker, würden diesem Traum nicht gerecht. Und damit hat er recht. Der Neustart ist eher ein großes Upgrade, das zumindest die Eurozone handlungsfähiger und den demokratischen Prozess direkter macht. Die Abgeordneten im Parlament in Strasbourg, die einem Euroland angehören, sollen über die Beschlüsse eines neuen Europa-Kommissars das letzte Wort haben. Damit würde die Europawahl an Bedeutung gewinnen und die Europäer mehr Macht über ihre Regierung erhalten.

Macron wirbt nun um die Zusammenarbeit der Deutschen. Ob das mit dieser Merkel-Regierung zu machen ist? Ich hoffe es. Ich will sehen, dass Europa sich weiterentwickelt und wieder hungrig wird. Hungrig auf kulturellen Fortschritt und ein Symbol für Frieden und Verständigung bleibt.

Kritik: »Digitale Dissidenten«

Die WDR-Doku beginnt so »Mit Smartphones oder Internet hinterlassen wir jederzeit digitale Spuren, damit schaffen wir die Möglichkeit, uns zu überwachen«. Mahnende Stimmen hätten es schwer. Der Off-Sprecher leitet über zu den »Kriegern des digitalen Zeitalters«. Assange, Snowden und Co. Für mich persönlich Helden. Das Engagement dieser Dokumentation, die Moralzwickmühle »Whistleblower« differenziert zu beleuchten, ist lobenswert. Diese Einleitung ist eine Katastrophe. Wer hätte es gedacht: Dieses Internet ist schuld. Ausnahmsweise. Das ist zu einfach. Es stimmt leider: Das Netz ermöglicht noch vor 10 Jahren unvorstellbare Überwachung. Spähsoftware lässt sich selbst von Laien schnell programmieren. Ein Laie kann auch mit einem Porsche rasen und ein Laie kann mit einer Waffe um sich ballern. Unternehmen könnten Kinder arbeiten lassen und die Regierung könnte foltern. Die Gesellschaft hat dafür Regeln eingefordert, die Geschwindigkeit beschränken, Waffenbesitz erschweren, Kinderarbeit und Folter unterbinden. Wir sind wieder gefragt. Und anstatt »dieses Internet« zum Sündenbock zu machen, benötigen wir sinnvolle Regeln, die der Exekutive, dem Innenministerium, den Geheimdiensten und den Unternehmen Grenzen setzt. Doch wir erlauben Herrn De Maiziere Standortdaten und Kommunikationsinformationen zu speichern und vertrauen ihm unsere biometrischen Daten an.

Als Ludwig der 14. im Paris des 17. Jahrhunderts die erste durchgehende Straßenbeleuchtung installieren ließ, traten die Bürger diese nachts kaputt, denn sie vermuteten in ihr ein Überwachungsinstrument des absolutistisch herrschenden »Sonnenkönigs«.

Institutionen wie netzpolitik.org (Artikel zu European Digital Rights), einfache Blogs wie dieser oder die Massenmedien sind zu wenig. Darauf zu vertrauen, dass wir zufällig etwas aufdecken wodurch eventuell genügend politischer Druck entsteht ist zu wenig. Es braucht eine unabhängige Behörde, die Überwachungsaktivitäten von Geheimdiensten, Innenministerium sowie Unternehmen einsehen kann und rechtliche Mittel zur Verfügung hat, diese zu unterbinden.

(Artikelfoto von Gage Skidmorge, CC, auf flickr)

Das sagen Werber über Werbung

Muss Werbung undurchschaubar sein? Nein, der Kunde soll ehrlich wissen, dass wir wollen, dass er unser Produkt kauft. Selbstverständlich ist das so, denn als Unternehmen ist das ja unsere Aufgabe. Erfolgreiche Werbemaßnahmen wecken Wünsche und Begehrlichkeiten. Darum geht es.

Prof. Norbert Bolz, Medienwissenschaftler:
„Ginge es im Kapitalismus um das, was die Menschen wirklich brauchen, wäre er längst am Ende seiner Kräfte angekommen. Wir konsumieren, was wir nicht brauchen und Werbung wird für Produkte gemacht, die wir genuin überhaupt nicht brauchen, sondern im Nachhinein haben wir erst den Eindruck „Ohne das habe ich überhaupt nicht leben können“. Aber alle diese Wünsche werden Menschen, wenn man so will, „beigebracht“ und die Werbung ist auch eine große Schule des Konsums. Ich weiß im Nachhinein erst, was mir immer schon zu meinem guten Leben gefehlt hat. Man kann auf Werbung prinzipiell deshalb nicht verzichten, weil man immer auf dem Monitor der Aufmerksamkeit präsent sein muss. Man darf als Kunde niemals vergessen „Die gibt es also, die gibt es immer noch und sie sind immer noch aktiv“, das zu vernachlässigen wäre gefährlich, aber in der Tat geht es eigentlich mehr um das „sich ständig melden, auf dem Aufmerksamkeitsmonitor und nicht so sehr um die Übermittlung einer neuen Produktbotschaft. Das Wesentliche ist tatsächlich: Der ganze Betrieb läuft.“

Archetypen
Die Helden der Menschheit und deren Kräfte, aus über Jahrhunderte gewachsener Mythen, sind tief in unserem historischen Bewusstsein und damit im Unterbewusstsein verankert – nach C.G. Jung, dem Schweizer Psychoanalytiker und Schüler Sigmund Freuds. Auf sogenannte »Archetypen« wie Helden, Schöpfer oder Liebhaber reagiere der Mensch unbewusst, laut Jung. Der Mensch spiegele sich in ihm.

Scholz and Friends, Hamburg
Es gehe nicht nur darum, die Marke sich dieses Archetyp bedienen zu lassen, sondern das gesamte Konstrukt, das hinter der Markte steht – Kommunikation, Produkte – müsse all diese Elemente bedienen können und das Wesen des Archetyps in sich tragen.

„Es geht irgendwie um Visualisierung. Wettkampf, Leistung, eine Bildsprache in der wir gut ausdrücken können, worum es geht. Wir „greifen an“ aber eben nicht in der Dominanz, sondern in Leistung und im kompetativen Umfeld.“

Vincent Schmidlin, Marketingstratege, ehemals bei Scholz und Friends:
„Archetypen sind Urbilder, Sinnbilder und Vorbild für die Menschheit. Diese Archetypen haben wir Menschen im Laufe der Evulotion als Leitbilder, als Überlebensleitbilder entwickelt. Und die haben den riesen Vorteil, dass sie uns Entscheidungshilfe und Orientierung geben. Und deshalb greifen wir als Menschen immer wieder darauf zurück. Es gibt 12 archetypische Helden. Vom Kämpfer über den Liebenden, den Fürsorgenden, den Narren, etc. pp. Diese Charaktäre kennen wir aus Hollywood und aus Romanen. In der Kommunikation des Sportmittelherstellers Nike wird jeder den Kämpfer erkennen. In der Kommunikation von Luxusuhren, oder Premiumautos werden Sie sehr oft Züge des Herrschers erkennen. Menschen sind in der Lage, Archetypen intuitiv und sehr schnell zu erfassen und zu verstehen. Ohne kognitive Verarbeitung. Wer als Marke, sich archetypisch ausrichtet, wird relevanter und wenn es uns gelingt, die Marke so zum Helden zu machen, dann haben wir die Aufmerksamkeit, die freiwillige Aufmerksamkeit und die freiwillige Beteiligung der Menschen für unsere Marke gewonnen. Und das ist unser Auftrag.“

(Foto von Nutzer telmo32 auf flickr, Zitate aus der WDR-Doku „Lass dich verführen! Warum wir kaufen, was wir kaufen“)

Die Hetze im Netz muss bleiben damit sie verschwindet

Unsere Bundeskanzlerin hat »Sorge, dass gerade das Internet dazu verleitet, so richtig mal alles rauszulassen, was […] in mir an negativen Gefühlen ist.« In dem Interview verurteilt sie den Ton im Netz, die Hetze und Fremdenfeindlichkeit und — damit hat sie recht. Doch damit fordert sie auch die Verstummung des Pöbels. Doch da irrt sie. Es ist gut, dass Zyniker, Rassisten und Homophobe ihr menschenfeindliches Gedankengut ungefiltert ins Netz tippen. Eine Verstummung zu fordern ist falsch — richtig ist, das Erheben der Toleranten, der Freidenkenden zu fordern und fördern. So wie Panorama Chefin Anja Reschke im Tagesthemen-Kommentar zu einer Art »Aufstand der Anständigen« aufrief. Unfassbar viele Menschen haben positiv reagiert und mitgemacht.

Diese öffentlichen Hassgärtner sollen als Indikator dienen. Vor der Netzanonymität konnten wir uns prima einreden, es seien Randphänomene. Vereinzelte, radikalisierte Grüppchen, die einen einsamen Kampf kämpften und mit dem Kern der Gesellschaft nichts zu tun hätten. Jetzt wissen wir es besser. Ich hoffe, diese Leute benehmen sich nie wieder. Posten weiterhin ihren ignoranten, herrschaftlichen, nationalistischen Unsinn. Damit wir wissen: Es gibt viel zu tun. Dass wir, jeder einzelne, die Aufgabe haben, zu argumentieren und eine Meinung zu haben. Dass neben shoppen gehen, Chai Tee trinken und Kinderwägen schieben auch noch unser Engagement nötig ist. Dass wir selbst Haltung zeigen und den Diskurs wagen. Und sei es selbst mit unseren Liebsten. Dann kommt mal mehr auf den Tisch, als Veggiewurst und Biotofu: Eine Meinung. In der Hoffnung, dass Sie es irgendwann einsehen. Oder, dass sie wenigstens nicht mehr werden. Ich hoffe die Netzhetze in Kommentaren, Blogs und Posts bleibt – weil sie uns andere herausfordert, lauter zu sein.

Hollande strebt einen Prototyp einer Europa-Regierung an

Endlich Nägel mit Köpfen machen. Monsieur Francois Hollande, der französische Präsident, strebt eine eine Vertiefung der Eurozone an. Die ständigen Krisengipfel müssten ein Ende haben. Als eine Art Prototyp oder großen nächsten Schritt fordert er demokratischere Entscheidungsprozesse, einen eigenen Haushalt und eine Wirtschaftsregierung für die 19 Euro-Mitgliedsstaaten. In einem Fernsehgespräch sagte Hollande, er habe es satt, von Barack Obama zu den Schwierigkeiten der Eurozone befragt zu werden. Er sagte „Ich würde lieber fragen, wie es um die Dollar-Zone steht“.

Konkretere Vorschläge werde der Präsident Frankreichs im „Einverständnis“ mit der Bundesregierung unterbreiten.

(Foto: „Die Mitglieder des Europäischen Parlaments stimmen ab“ von European Parliament, flickr, CC-NC-ND)

Wie viele Flüchtlinge sind es eigentlich insgesamt?

63,9 Prozent aller Asylverfahren, die in Deutschland inhaltlich geprüft werden, gehen negativ für den Flüchtling aus – fast zwei drittel. Nach dem aktuellen Bericht des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gab es in diesem Jahr 179.037 Asylanträge. Davon wurden gerade einmal 41.166 positiv entschieden. Das sind 0,2 Prozent verglichen mit der Bevölkerung.

Würde jede der knapp 2.000 deutschen Städte Flüchtlinge aufnehmen, wären das genau 21 Flüchtlinge pro Stadt.

Außerdem gibt der Bericht Auskunft über die Entwicklung in den letzten Jahren. Dem Zufolge haben von 1953 bis 2015 durchschnittlich 67.213 pro Jahr einen Asylantrag gestellt. Das sind 0,08 Prozent im Vergleich zur Bevölkerung. Weniger als die Hälfte werden bewilligt. In den 90er Jahren hatte es eine Flüchtlingswelle gegeben, danach normalisierten sich die Zahlen.

Die Herkunftsländer aus denen die Flüchtlingsströme derzeit überdurchschnittlich sind, sind gerade die Balkangebiete, sowie Syrien und Albanien. Am Balkan werden immer wieder Minderheiten verfolgt. In Syrien und Albanien herrscht Bürgerkrieg. Europa kann locker jedem Schutz bieten, der in diesen Tagen wirklich Schutz sucht.

Bahn: Soziale Markwirtschaft reguliert die Staats-AG

Die Deutsche Bahn hat ihre Halbjahresbilanz vorgelegt und konnte einen Gewinn von 391 Mio. Euro nach Steuern erzielen. Das entspricht 60,9% im verglichen mit dem ersten Halbjahr 2014. Die Konkurrenz durch Fernbusse, sowie die seit Mai beendeten Streiks kommen vorwiegend als Gründe dafür in Frage. Da sich Bahn und Gewerkschaft bereits auf einen Tarif einigten, sind die Lohnfragen der Angestellten bis auf Weiteres geklärt. Der Markt könnte sich nun positiv auf die Fahrpreise auswirken, da weiterhin Kunden aus Kostengründen Fernbusse nutzen.

Unternehmen haben insbesondere in Halbjahresbilanzen Gestaltungsspielraum. Ein Gewinnrückgang ließe sich künstlich wenigstens aufblasen um die Gewerkschaft öffentlich indirekt verantwortlich zu machen. Die Reisendenzahlen waren trotz Streiks im ersten Halbjahr mit 98,6% stabil, verglichen mit dem ersten Halbjahr 2014.